Blue Crush
Um kaum einen anderen Sport ranken sich so viele Mythen und Stereotype wie ums Surfen. Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb das Leben der Surfer gerne in Spielfilmen porträtiert wird.
Generell lassen sich Surf-Filme in zwei Gruppen unterteilen: Da gibt es einerseits die sogenannten Surfvideos, das sind Filme, in denen es nur ums Surfen und ums dazugehörige Reisen geht und andererseits die Surf-Movies, Spielfilme, die im Surfer-Milieuspielen.
Surf-Videos: Surfvideos heißen aus gutem Grund 'Videos': sie werden hauptsächlich als Videos (und neuerdings vor allem als DVDs) distributiert. Wie bei Snowboardvideos geht's hier ausschließlich um Sportaufnahmen, die von passender Musik untermalt sind. Über die Jahrzehnte haben sich in diesem Genre gewisse Elemente etabliert. Die Wipeout Section z.B. ist der Teil eines Surfvideos, in dem die brutalsten Stürze, die während der Drehabreiten passiert sind, präsentiert werden. Auch Komikeinlagen sind auf den meisten Surfvideos zu finden. Gefilmt wird hauptsächlich auf 16mm, finanziell unterstützt werden die Produktionen meist durch Sponsorengelder aus der Surfindustrie. Neben der optischen Komponente spielt auch die Musik eine wichtige Rolle: Bis in die späten 90er dominierte Gitarrenmusik, die klassische Surfvideo-Musik ist Punk - wie auch bei Skater-Videos, kein Wunder ist doch die Skater-Szene aus dem Surf-Sport hervorgegangen. In den letzten Jahren wird aber auch vermehrt Hip-Hop, Trip-Hop und ähnliches eingesetzt. Vor allem in den Surf-Zentren Australien und USA werden jährlich unzählige Filme dieser Art produziert und es gibt einzelne Surfer, die davon leben, um die Welt zu reisen und sich beim Surfen von exotischen Spots filmen zu lassen.
Zu den Klassikern des Genres zählen:
Forgotten Island of Santosha (Mauritius)
Tubular Swells (Indonesien)
Bunyip Dreaming (Westaustralien)
Surf-Movies: Surf Movies hingegen, zu denen auch 'Blue Crush' zählt, sind - wie der Name schon sagt - richtige Spielfilme. Der in Surfkreisen anerkannteste Film dieser Art ist 'Big Wednesday' von John Milius, aus dem Jahr 1978. Er handelt vom Erwachsenwerden drei junger Surfer in den Sechzigern. Er schildert den Alltag in der kalifornischen Surfszene und bietet neben den schönen Surfaufnahmen auch eine spannende Geschichte. Der semidokumentarische Film 'Endless Summer' (Bruce Brown, 1966) ist eine Art Roadmovie: Er beschreibt die Weltreise zweier Sufer und stellt ein wichtiges Zeitdokument. 1994 kam ein zweiter Teil raus ('Endless Summer 2'), der sogar noch besser ist als der erste.
Blue Crush: Die Intention von Produzent Brian Grazer war es, mit 'Blue Crush' einen Film zu drehen, der auch in der Surferszene anerkannt wird. Dies dürfte ihm auch halbwegs gelungen sein, werden doch einige der Charaktere von Surfern gespielt, und auch die Drehorte können sich sehen lassen: Der Film wurde an der Nordküste der hawaiianischen Insel Oahu gedreht, einem der besten Surfstrände der Welt. Die Surfaufnahmen, sind sehr professionell gefilmt und machen fast die Hälfte des Films aus. Bei 'Pointbreak - Gefährliche Brandung' z.B. reichte das Budget nur für Surfaufnahmen in Kanada (Vancouver Island) - dementsprechend mehr kann man sich von 'Blue Crush' erwarten. Die Surferszene wird im Film relativ authentisch dargestellt: Kala, der tätowierte Schlägertyp, der im Film das Sagen hat, spielt sich selbst und steht auch echten Leben in der hawaiianischen Surf-Hierachie ganz oben.
Surftechnisch ist Blue Crush also durchaus ein gelungener Film geworden - nicht genug Mühe gegeben hat man sich hingegen bei der Story. Die ist leider viel zu durchschaubar und obendrein auf ein Teeniepublikum zugeschnitten.
Text: Jakob Polacsek (fm4.orf.at)



