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Die erste Tube

WelleRui verriet mir nach vier Wochen endlich seinen Lieblingsspot, obwohl er wusste, dass ich ohnehin bald verschwinden würde. Manchmal traf ich ihn im Dorf mit nassem Haar und einem verschwörerischen, seligen Grinsen im Gesicht. Auf die Frage, wo er denn gewesen sei, deutet er grob in Richtung Meer, wo ich selbst den Morgen verbracht hatte, und bestätigte nur, was ich mir selbst längst gedacht hatte, als er nicht am Strand in der kleinen Bucht aufgekreuzt war. Alle surften hier, es sei denn ein anderer Spot war wirklich besser. Ich dachte, etwas Geduld, und er nähme mich schon irgendwann mit. Die Stelle lag so nah am Ort, wie ich bald herausfinden sollte, dass ich mir vor die Stirn schlug, nicht von selbst darauf gekommen zu sein. Man musste bloß um die Riffe am Hafen paddeln und dann ein paar hundert Meter die Küste entlang, was nur bei sauberer Dünung ging, die aus Nordwest weit ums Kap drehte. Es gibt keine Straße und damit war der Spot beinahe unerreichbar für die Meisten, die mit dem Wagen am liebsten direkt vor der Welle parken. Er sagte nur, "Komm schon, du bist reif", und wir trotten mit zu den Hüften heruntergerollten Anzügen durch den Hafen, der jetzt kurz nach Mittag ausgestorben wirkte. Die Fischreste vor der Auktionshalle trocknen ein, und ein paar der struppigen Katzen, die von den lederartigen Stücken leben, schielten uns über die Schulter nach. Die meisten Netze, die zum Trocknen aufgehängt wurden, waren so oft geflickt worden, dass sie bei dem ständig herbeigewünschten großen Fang, wahrscheinlich gleich reißen würden. Fische, die sich darin verfingen, taten es wahrscheinlich aus Mitleid. Das Wasser im Hafen war kristallklar, der Grund schimmerte hell, wo er sandig ist, dunkel über den Muscheln und Seesternen, hauchdünne Ölschlieren sahen aus, als wären sie Teil der Meereswelt, Verwandte der zahllosen Quallen, die grazil in der Schwebe hielten, wohin sie eigentlich schwimmen wollten.

Rui sprintete plötzlich los über den Steg und sprang in der Luft mit den Füßen auf sein Brett, landete und fuhr wie ein Wakeboarder ein paar Meter übers Wasser, bis er versank, sich hinlegte und lospaddelte. Ich stieg vom Strand in das heiße flache Wasser und paddelte im Knien hinter ihm her. Mit meinem langen Brett glitt ich schnell heran und an ihm vorbei, "das letzte Geheimnis, Meister?" fragte ich. Er grinste und sagte, "das letzte, das ich dir verrate, Söhnchen."

Bei Hochflut brachen die Wellen direkt auf den Fels. Die Dünung schälte sich um das Kap wie die Heckwellen eines Supertankers, die Lava war schwarz von der Schwärze, die noch einen anderen Glanz einschließt, Tiefe lag dahinter wie in zu plötzlich aufgerissenen Augen, wir drifteten jambisch und windkühl, ich lag träge im Wasser wie auf einer Luftmatratze für Belastungen, elementarer Tourist, die Brandung explodierte in salzigem Dunst, die Welle zeigte mir ihre Schulter um Schulter, in jeder Sekunde geschahen Tankerunglücke, Meisterwerke wurden vertröstet, Begabungen belächelt, niemand hätte je sorgfältiger leben können. Nach zwei Stunden war die Session vorbei, und die Sonne brannte im Zenit herab. Einen Kilometer entfernt im Osten lag der Teil des Ortes für die anderen Touristen, die kubischen Häuser strahlten im Licht, am Ende der Bucht wurden neue Hotels errichtet, flache Bungalows, die jedes Jahr weiter in das karge Buschland hineinwucherten, um Leute zu beherbergen, die von der Bar gleich an den Strand stolpern wollten. Zur Stadt fuhren Shuttle-Busse, nach Dämmerung war die Hauptstraße von Menschen bevölkert, die, wie es aussah, nicht auf ein paar Wellen vor dem Frühstück hofften.

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