El Salvador
Ich hatte bereits halb Mexiko hinter mir, als ich nach Antiqua in Guatemala kam. Wie die meisten Traveller auf der Mittelamerika Route machte auch ich hier einen Stopp, um für kleines Geld an einer der zahlreichen Sprachschulen mein spanisch aufzupolieren.
Eines abends saß ich in einer kleinen Bar und hatte bereits jede Menge local Rum intus, als mich ein Latino mit verwaschenem Billabong T-Shirt und gebrochenem englisch fragte, ob ich Surfer sei. Ich schaute ihn an und nickte nur kurz mit dem Kopf. Das war sein Zeichen, in einem Kauderwelsch aus englisch und spanisch beschoss er mich mit einem verbalen Feuerwerk. Auch wenn der Gute an diesem Abend schon jede Menge Gläser Rum gesehen hatte, so wurde seine Geschichte dennoch für mich zunehmend interessant. Er erzählte mir von seiner Heimat, El Salvador. Wie die Leute unter der Grausamkeit des Bürgerkrieges gelitten hatten, von dem Schicksal seiner Familie, von der Korruption in der Regierung und bei der Polizei, aber er erzählte mir auch von der Schönheit seines Landes und den unglaublich guten Wellen, die zu den besten von Mittelamerika zählen. Zum Schluss meinte er nur, wenn ich jemals nach El Salvador gehen würde, sollte ich verdammt gut aufpassen, denn das Land birgt viele Gefahren und vom Bürgerkrieg sind auch noch jede Menge Waffen im Umlauf. Nach einer kurzen Pause grinste er mich jedoch noch einmal an und fügte hinzu, "die Wellen solltest du dir aber nicht entgehen lassen."
Auf meinem Rückweg geisterte mir die Geschichte immer wieder durch den Kopf, auch wenn abends in der Bar die Wellen immer doppelt so groß und lang sind, wie am nächsten Morgen, so hatte ich doch schon vorher von den guten Wellen in El Salvador gehört und gefährlich ist es überall, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Als ich am gleichen Abend noch auf der Terrasse meiner Unterkunft stand und auf die Silhouetten der Vulkankegel im Mondlicht schaute, fasste ich einen Beschluss, Costa Rica kann warten, El Salvador wird mein nächstes Ziel.
Wenige Tage später saß ich in einem Bus nach San Salvador. Gegen Nachmittag erreichte ich die Grenze, wo ich auch den Bus wechseln musste. Beim Buseinstieg auf der anderen Seite der Grenze lag ein kleiner Haufen an Schusswaffen und Macheten und der Busfahrer erklärte mir, wenn ich eine Waffe mit mir führe, müsste ich diese für die Fahrt bei ihm abgeben. Ich erklärte ihm nur kurz, dass ich meine Waffen alle in meiner Boardbag verstaut habe. Die Fahrt ging durch eine sehr bergige Landschaft und gehalten wurde in jeder kleinen Ortschaft und von denen gab es viele. Als es dunkel wurde erreichten wir Santa Ana, die zweitgrößte Stadt des Landes. Von hier aus ging es erst am nächsten Tag weiter, also musste ich mir eine Unterkunft suchen. Es war dunkel, regnete und zu viele zwielichte Gestalten liefen mir hier herum. Vom Regen durchweicht, stolperte ich mit meinem Rucksack auf dem Rücken und der Boardbag unter dem Arm in das nächst beste Hotel, dass zumindest so aussah wie eins.
Da lag ich nun auf meinem Bett, in einem Zimmer ohne Fenster, mit schmierigen Wänden und einer flackernden 40 Watt Glühlampe über mir. Die Toiletten und Duschen waren irgendwo auf dem Hof ohne Licht und saubergemacht wurde seit Jahren auch nicht mehr. Der Regen trommelte monoton auf das Blechdach und lies mich langsam einschlafen. Irgendwann mitten in der Nacht wachte ich auf und stellte fest, dass ich nicht mehr der einzige Gast im Hotel war. Aus den Zimmern links und rechts von mir vernahm ich quietschende Betten und wildes Rumgestöhne. "Na dolles Ding" dachte ich mir, an Schlafen war erst mal nicht mehr zu denken. Ich lag mit offenen Augen in meinem dunklen schmierigen Loch und fühlte mich ziemlich elend.



