Little Tube
Nachdem mir Großvater das Mind-Surfen erklärt hatte, begann der Seegang aufgrund eines Sturms stärker zu werden. Andere Wellenfamilien gesellten sich zu uns, und wir veranstalteten eine große Sturmsee. Papa Pipeline legte sich richtig ins Zeug und bäumte sich teilweise bis zu 30 Fuß auf. Ich verbrachte den Sturm mit meinem Freund Puerto aus der Atlantico Familie. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen, und so berichtete ich ihm von den Gesprächen mit meinem Großvater. Auch er war ganz begeistert von seinen Gedanken, und wir nahmen uns sogleich vor, uns in einigen Dingen zu üben. Wir stellten uns viele Situationen vor, in denen wir ein fiktives Gewicht eines Surfers in unser Anrollen über das Riff mit hinein nahmen, uns auf die Steigung konzentrierten, uns überschlugen und gefühlvoll nach rechts oder links abpellten. Wir versuchten uns so gleichmäßig und anerkennend wie möglich zu brechen, bei jedem Mal die gleiche Form bewahrend, die gleiche Geschwindigkeit erzeugend, die gleiche Tube kreierend, und mit jedem Mal kam in der Vorstellung eine noch besseren Welle zustande. Die Nacht brach allmählich herein.
Puerto und ich waren fast eingeschlafen. Die See war unruhig und stürmisch, wir schaukelten hin- und her, und ich glitt allmählich hinab in die Welt der Träume...
Großvater fragte mich: "Siehst Du diesen Fischschwarm, Little Tube? Sie sind vielleicht gerade auf Nahrungssuche." "Ja, ich bin der Meinung, dass auch sie ihre festen und geregelten Richtungen und Plätze hier im Meer haben." "Oh ja, das haben sie. Einige kleinere Fische sind stets in der Mitte, die Größeren außen. Mit dem Alter wächst auch ein Schwarm von Fischen, teils von innen nach außen. Diesen Prozess kannst Du auch an Baumringen erkennen, wenn Treibholz unseren Weg kreuzt. Die Fische wandern wie die Wellen und hinterlassen ihre winzigen Spuren. Wir könnten das Wandern auch mit Wachsen gleichsetzen. Dieser Wachstumsprozess würde sich dann aus dem Gleichgewicht zwischen Individuum Fisch und natürlicher Umwelt fortsetzen. Genauso, wie Du auch in Wechselwirkung mit uns und dem Ozean wächst.
Du könntest den zurückgelegten Weg des Fischschwarms auch als wellenförmigen Strang sehen, aufgeteilt in Einzelstränge, auf denen die Fische mit ihrer Fischseele entlang ziehen. Sie tauchen nebeneinander, übereinander, durcheinander auf. Sie strömen dahin, gezogen von ihrem Instinkt, mal langsamer, mal schneller, getrieben, wie von einer Welle, mal höher, mal tiefer, und sie erleben es, wie eine Achterbahn oder einen geraden, ereignislosen Pfad. Bei den Menschen ist das genauso. Sie bewegen sich alle in einem Strom.


