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Surfpiraten 3"So, Jack", begann er, "Du bist zu uns raus gepaddelt, also sollst Du auch erfahren, wer wir sind. Der junge Mann mit dem edlen Spitzbart ist seine Exzellenz Sir Francis Drake, Freibeuter ihrer Majestät von England, weiterhin Pirat und Räuber, der viel Unheil auf den Meeren dieser Erde anrichtete." Schallendes Gelächter, welches mich fast von meinem Board fegte, unterbrach die Vorstellung. Ein scharfer Blick des Ältesten ließ die Meute sofort wieder still werden. "Der Herr zu deiner Linken ist der unerbittliche und grausame Bukanier Henry Morgan. Dein Ur-, Ur-, Urgroßvater hätte Dir bestimmt gerne ein paar Geschichten erzählt, was dieser Pirat alles getan hat, um große Beute zu ergattern." "Und diesen zotteligen Gesellen kennst Du bestimmt aus vielen Piratenbüchern. Es ist Kapitän Blackbeard persönlich." Darauf ließ dieser Typ einen Schrei von sich, den Neptun selbst gehört haben müsste, denn das Wasser um uns herum begann zu zittern. "Um mich nun selbst vorzustellen", fuhr der Alte fort, "ich bin Bartholomew Roberts, und auch ich bin nicht minder schuldig als meine Kumpanen hier." Ich war so gefesselt von den Worten des Mannes, dass mir erst jetzt bewusst wurde, wo ich mich gerade befand. Ich saß im Line Up und wurde soeben den berüchtigsten Piraten der Geschichte vorgestellt. Und diese Piraten surften - was heißt sie surften - sie waren Surfgötter.

"Dürfte ich um Erlaubnis bitten, sie etwas zu fragen?" meldete ich mich schüchtern zu Wort. "So ist es schon besser, Du Lümmel", gab mir Morgan zu verstehen. "Wieso seid ihr hier, warum surft ihr, und wie macht ihr das mit den Wellen?" sprudelte es aus mir heraus. "Ein sehr wissbegieriger Bursche bist Du ja schon", vermerkte Roberts, der von den Vieren auch der Weiseste war. "Wir sind niemals richtig gestorben, wir warten eher!" antwortete er. "Wir warten auf unsere Erlösung, denn wir richteten sehr viel Schaden und Unheil in unserem Leben an. Und als wir vor dem lieben Gott standen, schickte er uns direkt wieder auf die Erde, um über unsere Sünden nachzudenken. So wanderten wir durch die Zeit und das Nichts und versuchten uns zu bessern, doch gelang uns dies nicht so recht." "Am wenigsten mit Rum, nicht wahr Herr Blackbeard," unterbrach Drake Roberts´ Antwort. Drake und Morgan lachten lauthals, doch Blackbeard holte aus und verpasste Drake einen Kinnhaken, der ihn von seinem Board runter holte. Roberts rief die beiden zur Ruhe und sie folgten seinem Befehl. "Du musst Dir vorstellen, dass wir außerhalb von Raum und Zeit leben, es uns aber verboten ist, mit Menschen in Kontakt zu treten", begann Roberts weiter zu erklären. "Als wir die ersten Menschen surfen sahen und beobachteten, wie sie sich entwickelten, begannen wir ebenfalls zu surfen." "Ja, wir surften alles, wo wir wollten und wann wir wollten!" schnautzte Blackbeard in die Runde. "Aber leider werden verlassene Strände immer seltener, so dass wir die Winterstürme mit ihren Wellen bevorzugen mussten," gab mir Morgan zu verstehen. "Ich glaube, wir befinden uns auf dem richtigen Weg, das Leben zu verstehen und unsere Sünden zu bereuen, auch wenn wir noch nicht ganz perfekt sind," erklärte Roberts.

"Noch eine Frage hätte ich, wenn Sie erlauben würden." "Und das wäre", maulte Blackbeard. "Wie funktioniert der Trick mit den Wellen?", wollte ich wissen. "Tja, höre weiterhin viel Heavy Metal, und eines Tages weißt Du, wie's geht", war Drake's Anwort. Zum Schluss meinte Roberts noch: "So, jetzt lasst uns mal zur Arbeit schreiten und diese Wellen shredden..." Und wir surften diese Wellen. Ich konnte es nicht glauben, ich surfte mit Piraten, die auf dem Weg ihrer Besserung waren. Nach sechseinhalb Stunden purem Hardcore Surfens war es Zeit, sich zu verabschieden. Doch wir werden uns wieder sehen, zumindest Drake, Morgan und Blackbeard, denn vier Wochen nach dieser Begegnung wurde eine unbekannte Leiche eines sehr alten Surfers an Land gespült. Schon klar, Roberts hatte es also geschafft!

Text (Fotos): Flo Jado

SURF@VISOR

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