Longboarden
1993 fing bei mir alles an. Ich besuchte einen Surfkurs in Südfrankreich und wie alle coolen Surfer habe ich mir im Anschluss an den Kurs natürlich gleich ein Shortboard geholt, mit dem ich jedoch nur herumstümpern konnte und so wertvolle Zeit verschenkt habe. Mein nächstes Board war dann ein etwas größeres Board, was mir für mindestes 3 Jahre gute Dienste leistete. Ende 1994 fiel mir mein erstes Longboard in die Hände, eine Zeit in der gerade in Frankreich das Longboarden wieder populär wurde.
Alle Longboarder, mit denen ich damals gesprochen habe, schwärmten so vom Longboarden, vor allem davon, wie wenig man für die Welle tun muss.
Meine ersten Versuche mit dem Longboard waren jedoch eher sehr ernüchternd. Dauernd tauchte die Nase ein und lenken ließ sich das Ding auch nicht. Erst als mir jemand den Tipp steckte, dass man die Wellen weiter draußen anstarten müsste, wo sie noch nicht so steil sind, klappte es letztendlich doch noch.
Das Timing beim Anstarten mit dem Longboard ist sicherlich schwieriger, wodurch es sich nicht unbedingt für den totalen Beginner eignet, aber wenn man den Trick raus hat und die Wellen einzuschätzen weiß, liegen die Vorteile auf der Hand, nämlich die höhere Anpaddelgeschwindigkeit. Während man auf einem Longboard einen Paddelschlag macht, was durchaus meiner Faulheit entgegenkommt, benötigt ein Shortboarder für die gleiche Strecke mindestens drei Züge. Somit hat Longboarden schon einmal eine recht spaßige Komponente.
Am Ende der Saison ´95 kaufte ich mir dann mein erstes eigenes Longboard, ein grünes Monster, das ich von vorne bis hinten mit Footpads beklebte und seitdem mehr repariert als gesurft habe. Eines der Nachteile, Longboards brechen viel leichter, da sie mehr Angriffsfläche zur Welle haben.
Ein weiterer extremer Nachteil ist das Reisen mit dem Longboard. Wer einmal mit solch einem langen Zossen in einen Zug der Deutschen Bahn gestiegen ist, hört lieber auf zu longboarden oder zu reisen. Dieses ist ein Grund, weshalb ich auch weiterhin den kurzen Boards treu geblieben bin, da ich halt viel reise, auch wenn es klappbare Longboards gibt, die tatsächlich surfbar sind.
Oft fragen mich Leute, was ich lieber fahre, kurz oder lang? Mittlerweile komme ich mit einem 6´0 Shortboard genauso gut zurecht, wie mit einem 9´0 Longboard, also gehe ich da sehr pragmatisch heran. Es ist wie die Frage, ob man lieber Front- oder Backside fährt, einige Manöver bringen halt Frontside mehr Spaß, andere Backside. Muss ich viel paddeln, weil die Welle vielleicht weiter draußen bricht, dann gehe ich natürlich lieber mit dem langen Board raus. Einen kurzen harten Shorebreak surfe ich lieber mit einem kleinen Shortboard. Wenn die Wellen groß werden, gibt mir das Longboard mehr Sicherheit, da ich nicht so spät in die Welle einsteigen muss. Sind die Wellen sehr klein, bekomme ich mit dem Shortboard noch einen Turn hin.
Die Frage ist, rippen oder cruisen, viel paddeln oder faul sein, Snap oder Walk, je nachdem wie man sich fühlt, mal der Sportwagen, mal die Limousine.



