Prinzipiell kann man jede Welle auch mit einem Longboard fahren - man darf sich nur nicht zu lange an der Inside aufhalten und muss manchmal etwas Geduld mitbringen, wenn man auf die großen Sets weiter draußen wartet. Dass man mit dem Longboard nicht Duck Diven kann, gleicht man meist durch die viel höhere Paddelgeschwindigkeit wieder aus.
In den ersten Jahren habe ich immer versucht, mit dem langen Board so zu surfen, wie ich es auf dem Shortboard getan habe. Es verstrich einige Zeit, bis ich damit anfing, das Board in seiner ganzen Länge zu nutzen. Und das macht echt Laune, die Welle in einer steilen Section zu schnappen, nach vorne zu laufen und auf der Nase an der Wellenwand entlang zu schießen. Dabei gilt natürlich: always walk, never shuffle!! Also entweder ich komme im Cross Step auf die Nase - oder gar nicht. Und wenn ihr ständig über eure Leash stolpert, kauft euch einfach eine Kneeleash.
Single-Fin oder Thruster? Ich fahre persönlich lieber drei Finnen, der engeren Turns wegen, aber fürs Styling ist ein Board mit einer Finne besser geeignet, die Turns werden runder und man hat noch mehr das Gefühl des gleitens. Und der Fakie Take Off, mit der Finne voraus, klappt auch besser. Übrigens, bei diesem Take Off empfiehlt es sich, mit dem hinteren Fuß nach vorne aufzustehen, also als regular Surfer macht ihr einen Goofy Take Off.
Wie ein 6´0 Shortboard ist auch ein 9´0 Longboard nicht einfach zu handhaben und verlangt intensiveres Training als nur 2 Wochen pro Jahr. Selbst wenn der Take Off klappt, hat man eine Menge Board in den Line Up zu manövrieren und in die Turns zu drücken. Andererseits fährt man aber auch doppelt so viele Wellen - doppelt so lange ab, was die Zeit auf dem Board vervierfacht. Es liegt leider auch in der Natur der Dinge, dass man sich leicht die Aufstehbewegung versaut, wenn man ausschließlich Longboard fährt, da man nicht so punktgenau landen muss, was dann das Umsteigen aufs kurze Board wieder erschwert.
Dennoch gilt: Longboarding is not a crime! Just try it!
Text: Ralf Götze



