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Ritmo da Bahia

Party BahiaLivia kommt nicht. Dabei hatte sie eigentlich fest versprochen, in zwanzig Minuten mit ihrer Freundin nachzukommen. Das war vor zwei Stunden. Jetzt ist es zwei Uhr nachts und die Party ist in vollem Gange. Eine Holzhütte am Strand von Itacaré, brasilianisches Bier, die Dose 70 Cent, natürlich die obligatorischen Caipirinhas aus Plastikbechern, dazu eine Liveband von rastalockigen Surfern, die mit freiem Oberkörpern Jimi Hendrix auf brasilianisch interpretieren. Das reicht. Die Stimmung ist großartig. Das halbe Dorf tanzt wie jeden Freitag, und jeden Samstag, und auch jeden Sonntag, und ach ja...auch jeden Dienstag und Mittwoch.

Wer will, kann eigentlich jeden Abend feiern gehen, vorausgesetzt er hält durch. Denn vor Mitternacht braucht man in Brasilien gar nicht erst loszugehen, was gleichzeitig bedeutet, dass man erst um 3 Uhr ins Bett fällt - frühestens. Für die Bewohner von Itacaré anscheinend kein Problem dank täglicher Siesta. Zwei Stunden lang, wenn die Sonne am höchsten steht, geht in dem kleinen Fischerort gar nichts mehr. Alles schläft.

Vor zehn Jahren, erzählt Benjamin, der hier die erste Surfschule aufgebaut hat, haben die Menschen noch täglich ihre Matratzen aus den Wohnungen geholt und sie mittags in den Schatten mitten auf die Straße gelegt. Jeden Tag glich der Ort für zwei Stunden einem Open Air Feldlazarett. Überall lagen Menschen, nichts regte sich.

Damals gab es nur in wenigen Häusern Strom. Ventilatoren oder Klimaanlagen waren genauso Fehlanzeige wie Autos. Seitdem hat sich einiges getan. Mit den ersten Surftouristen kam auch etwas Geld, mit dem Geld mehr Touristen und irgendwann dann auch Strom und Ventilatoren. Längst schläft niemand mehr auf den Straßen, dafür fahren inzwischen auch zu viele Autos durch die Gegend.

Der Fischerort, mit seinen knallbunten Hütten und einer gewissen Hippie&Reggae Anmutung, hat sich voll auf die Touristen, vor allem Surfer aus aller Welt,Girl from Bahia eingestellt und dabei das Kunststück fertig gebracht, einen großen Teil seines alten Charmes zu behalten. Dazu gehört eben auch – oder vielleicht gerade - das Feiern und Tanzen. Wobei hier in der Region Bahia, anders als in Rio, nicht Samba sondern Focho getanzt wird. Und diesen Tanz wollte uns Livia eigentlich heute Nacht beibringen.

Livia wurde vor 27 Jahren in Itacaré geboren und ist so etwas wie ein Prototyp für die meisten Frauen in Itacaré: Sie lacht und strahlt erstens fast immer, arbeitet zweitens in einer der zahlreichen Bars, war vorher Kellnerin in einem Restaurant, hat drittens schon mit 19 ihr erstes Kind bekommen (war damit eher spät dran, 14,15jährige Mütter sind keine Seltenheit), hat viertens lange dunkle Haare, lange dunkle Wimpern und große dunkle Augen. Daraus ergibt sich fünftens fast zwangsläufig: Sie ist, wie die meisten Frauen hier, wunderschön.

Besonders der letzte Punkt tröstet über die lange Wartezeit hinweg. Außerdem: Warten gehört bei diesem Surftrip nach Brasilien einfach dazu. Sich mit einem Brasilianer zu einer festen Uhrzeit zu verabreden, ist ungefähr so Erfolg versprechend, wie von einer Welle zu verlangen, sich an einem bestimmten Strand in einer bestimmten Höhe zu brechen. Mit anderen Worten: Vergiss es! Genieß lieber das Warten. Das wird dir in Bahia durch badewannenwarmes Atlantikwasser beim Surfen und durch T-Shirt taugliche Temperaturen die ganze Nacht durch versüßt.