Lembongan Surfstory

Wellenreiten auf LembonganIch war gerade dabei mit einem Geländewagen durch ein ausgetrocknetes Flussbett zu rasen, als mein Wecker mich aus dem Schlaf riss. "Uff, 5.30, ganz schön früh". Langsam quälte ich mich aus dem Bett, schlüpfte in meine leicht feuchten Boardshorts, warf mir mein Lycra über und schnappte mein Board, dass geduldig in der Ecke wartete. Es war noch stockdunkel, doch der nahende Tag wurde von den zahllosen Hähnen im lauten Wettstreit bereits angekündigt. Von meiner Unterkunft waren es nur wenige Meter zum Wasser, dass jetzt dunkel und ruhig vor mit lag und nur das Donnern der Wellen draußen am Riff ließ erahnen, was gleich abgehen würde.

Ich glitt mit meinem Board ins Wasser und machte mich auf den Weg zum Riff. Als ich ungefähr die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht hatte, blickte ich mich um. Ein roter Streifen war am Horizont sichtbar, vor dem sich die Palmen der Insel als gestochen scharfe Silhouette abhoben. Ich paddelte weiter über das spiegelglatte Wasser und versuchte krampfhaft zu verdrängen, dass Haie in der Dämmerung am aktivsten sind.

Ich erreichte das Riff und die Strömung, die mich am Schiffswrack vorbei in den Line Up beförderte. Der Horizont hatte sich mittlerweile vom rot ins helle orange gewandelt und der Vulkankegel von Bali wachte wie ein großer Beschützer über dem Szenarium. Durch die Dämmerung sah ich das erste Set auf mich zurollen, doch noch war es zu dunkel, als dass ich eine der schwarzen Wände hätte anpaddeln können, also brachte ich mich lieber erst einmal in Sicherheit. Das Wasser war ganz leicht durch den Off Shore Wind gekräuselt, weit und breit keine Menschenseele, nur ich und das Meer und perfekte Wellen, was will man mehr.

Mittlerweile war es hell genug und ich sagte zum mir: "Die nächste Welle gehört mir". Als dann ein größeres Set dem Meer entwuchs, war der Moment gekommen. Die ersten beiden Wellen ließ ich noch passieren, doch die dritte Welle aus dem Set paddelte ich an. Wie aus dem Bilderbuch schälte sich die Wellen am Riff entlang und ich war derjenige, der sie rippte. Was soll ich sagen, ein Gefühl schoss durch meinen Körper, dass sich anfühlte, wie verrücktgewordene Glückshormone auf Verfolgungsjagd durch meine Blutbahn.

Drei weitere Geschenke der indonesischen Seegöttin konnte ich für mich deklarieren, bevor die Sonne wie ein roter Feuerball über der Insel aufging und das dunkle Wasser sich zunehmend tiefblau färbt und ich das farbige Korallenriff mit seinen bunten Fischen unter mir deutlich erkennen konnte. Obwohl das Riff sich ca. 3 Meter unter mir befand, wirkte es durch das klare Wasser nur wie ein knapper Meter.

Mit dem anbrechenden Tag tauchten auch immer mehr bekannte Gesichter am Line-up auf, doch ich hatte bereits 45 Min. perfekten Surf für mich allein gehabt. Als die ersten Boote kamen, von denen Gruppen von Surfern ins Wasser sprangen, war für mich die Zeit gekommen gen Frühstück zu paddeln, denn perfekte Wellen sind nur dann perfekt, solange man diese auch surfen kann und sich nicht mit einer großen Horde wellenhungriger Surfer im Line-up um diese streiten muss.

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