ApneaSurf für einen starken Atem, denn der nächste Wipeout kommt bestimmt! Wie Atemtechniken der ältesten und ursprünglichsten Form des Tauchens uns zurück ins Line-Up bringen und uns Wipeouts entspannter ertragen lassen.

Wenn einem gefühlt 8 Tonnen Wassermasse auf den Kopf knallen und man nach einem 10- Minuten-ähnlichen Waschgang nicht mehr weiß, wie man mit beiden Augen gleichzeitig geradeausschauen soll, dann nennt sich das „Wipeout“ – wir werden herumgeschleudert und regelrecht von allen Seiten von den Wasserkräften verdroschen. Die „Waschmaschine“ kennen wir alle und es ist meist kein Schonwaschgang. Gefühlt sind wir schon hunderte Male in den riesigsten Wellen und den heftigsten Wipeouts fast ersoffen und völlig durchgemangelt mit der nächsten Weißwasserfront zurück an den Strand gespühlt worden. Situationen wie diese bleiben keinem Surfer erspart und können uns manchmal sogar so sehr verängstigen, dass wir von ihnen blockiert werden: Blockiert bei der nächsten Welle, bei der wir dann aus Angst zurückziehen oder beim nächsten Swell, bei dem wir vielleicht nicht mal mehr rauspaddeln. Doch es gibt Möglichkeiten, sich besser auf diese Situationen sowohl körperlich als auch mental vorzubereiten.

Aber schauen wir uns erst mal an, was eigentlich wirklich unter Wasser passiert: Wie zum Teufel haben wir es eigentlich geschafft diese minutenlange Tortur zu überleben?

Apnoe-Training mit Timo Niessner

Wie viele bereits wissen, fühlt sich ein typischer Waschgang unter Wasser zwar unendlich lang an, dauert aber meist nicht mehr als wenige Sekunden. Doch trotzdem rangen wir schon, bevor wir von 21 bis 23 gezählt haben, nach Luft und versuchen panisch und mit aller Kraft gegen die Wellen anzukämpfen. Unser Körper verbraucht hier ca. 5 mal mehr Energie als im Ruhezustand. Die Energie, die wir in unserem aussichtslosen Kampf gegen die Kräfte des Meeres verbrauchen, kostet uns dementsprechend auch 5 mal mehr Sauerstoff. Weshalb uns also die Luft schon nach 3 Sekunden knapp wird, basiert auf einer einfachen Rechnung: aus 3 Sekunden werden gefühlt 15, aus 5 werden 25, aus 10, 50 und so weiter. Doch auch wenn es nicht so weit kommt, sind selbst die ersten Sekunden ohne Luft im Vollwaschgang schon ziemlich unangenehm.

Die Frage ist aber, hatten wir wirklich keine Luft mehr? Konnten wir wirklich nicht länger unter Wasser bleiben? Wahrscheinlich schon, doch ohne das Bewusstsein und das Wissen über unsere Kapazitäten, können wir sie auch nicht nutzen und uns ergeht es in diesen Momenten ziemlich schlecht. Aber genau das können wir angehen und trainieren. Es gibt Möglichkeiten unsere Kräfte während eines Wipeouts zu kontrollieren, unsere Energie zu optimieren und so letztlich auch länger die Luft anzuhalten, so wie es zum Beispiel Big Wave Surfer in den Monsterwellen schaffen. Big Wave Surfen ist zwar heute noch nicht ganz unser Ziel, doch auch wir Normalo-Surfer können diese Techniken anwenden, um den nächsten Wipeout entspannt zu überstehen.

Apnoe-Training im Pool

Big Wave und Profi Surfer, wie auch viele andere Sportler schwören schon seit langem auf die Techniken des Apnoe- bzw. Freitauchens und arbeiten zusammen mit professionellen Atem-und Mentaltrainern an ihren Kapazitäten des Luftanhaltens und trainieren damit den kontrollierten Energie- und Sauerstoffverbrauch ihres Körpers.

Beim Apnoetauchen handelt es sich um das Tauchen ohne Sauerstoffgerät, allein mit der Kapazität der Lungen. „Apnoe“ bedeutet Atemstillstand. Die Luft wird über mehrere Minuten gehalten, es wird schlichtweg nicht geatmet. Geübte Taucher gelangen so in Tiefen von mehr als 200 Meter. Ihr Herz und ihre Lunge sind vergrößert und ihren Ruhepuls haben sie so stark heruntertrainiert, dass selbst bei anhaltender Belastung der Körper mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Damit lässt sich der sogenannte „breath-hold-breaking-point“ hinauszögern, der Punkt an dem unser Körper den Atemreiz nicht mehr unterdrücken kann, der Punkt, den wir schon einige Male im Waschgang erlebt haben und der Panik in uns ausruft.

Apnoe-Training Foto Daniel Torobekov

Durch Apnoe können wir trainieren den Reiz nach Luft hinauszuzögern und müssen dafür nicht mal Ausnahmesportler sein, denn grundsätzlich gilt: Apnoetauchen ist mehr eine mentale, als eine technische Angelegenheit. Körperliche Fitness und das nötige Selbstvertrauen und Bewusstsein über unseren Körper und dessen Kräfte ist zwar wichtig, doch dies alleine und/oder ein großes Lungenvolumen hält uns nicht lange unter Wasser. Es ist wichtig, den Körper und vor allem das Gehirn auf Sparflamme zu betreiben, denn je aufgeregter, hektischer und panischer wir sind, desto mehr Körperenergie und Sauerstoff werden verbraucht. Aus diesem Grund sind diverse Entspannungsübungen grundsätzliche Bestandteile des Apnoetrainings. Mit langen Atemzügen und verschiedenen Atemintervallen können wir unseren Körper und Geist beruhigen. Die 4-7-Methode (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden ausatmen), die 4-Phasen-Atmung (4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 4 Sekunden ausatmen, 4 Sekunden halten) und viele weitere Atemtechniken, lassen uns so schnell zur Entspannung kommen. Durch die sich wiederholenden Abläufe trainieren wir unseren Atem wie einen Muskel und erlangen eine ausgereiften Atemtechnik.

„Atme erst mal durch“, sagt sich so einfach, doch ein richtiger Atemzug muss erst mal gelernt sein und ist voraussetzend für den Beginn unseres Apnoetrainings.

Apnoe-Atmung

Neben ihren Vorteilen für die Entspannung und Meditation, bieten sich ebenfalls die Atemtechniken des Pranayama-Yogas bei einem Trockentraining an und steigern mit sofortigen Effekt unsere Zeiten unter Wasser. Hier ein Beispiel: Atme doppelt solange aus wie ein und halte viermal so lange die Luft an, wie du eingeatmet hast. In Zahlen gesprochen heißt das ganz einfach: 4s einatmen, 16s Luft anhalten und 8s lang ausatmen. Wie lang die Zyklen sind, hängt grob gesagt von deiner bestehenden Leistungsfähigkeit ab. Das Einhalten der Zeitverhältnisse ist dabei ebenso wichtig, wie eine gleichmäßige Zwerchfellatmung bzw. Bauchatmung. D.h., beim Einatmen dehnen sich der Bauch und Brustkorb aus. Beim Ausatmen ziehst du Brustkorb und Bauch (damit auch dein Zwerchfell) wieder ein. Das gilt übrigens für fast alle Atemübungen. Achte auch darauf, dass du während des Atmens nur durch die Nase atmest. Wenn du das richtig machst, wirst du eine Art rauschendes Geräusch des Kehlkopfs hören.

Durch gezielte Atemübungen wird unsere Lungenkapazität erhöht und damit auch die Aufnahme von Sauerstoff. Das Zwerchfell bleibt elastischer und erleichtert den Druckausgleich in Tiefen oder auch kritischen Situationen wie bei einem heftigen Wipeout.

Apnoe-Training

Wir alle können diese Übungen durchführen und neue Atemtechniken erlernen, doch besonders hier warnen wir, dies nie alleine, sondern am besten unter professioneller Anleitung zu tun. Apnoetauchen zählt nicht zu unrecht zu den Extremsportarten. Kleine Fehler und Unwissenheit können tödlich enden, denn der sogenannte Schwimmbad-Blackout kommt ohne Vorankündigung. Aber zum Glück gibt es auch Kurse von Experten für Atemtechniken und Apnoe-Profis, in denen das Luftanhalten, die Kurz- und Flachatmung trainiert, ihre Unterschiede erfahren und die richtige Technik, die die Atemsteuerung im Gehirn wie einen Muskel lenkt, gelehrt werden.

Auf Mental- und Atemtechniken ganz speziell für uns Surfer hat sich unter anderem auch Apnoe-Profi und Experte für mentale Strategien und Atem-Trainer Timo Niessner spezialisiert. In seinem Trainingsmodul ApneaSurf, vermittelt er in mehreren Workshops und Modulen Techniken des Apnoetauchens, die sofort anwendbar sind. In Simulationen an Land- und natürlich im Wasser, werden die neuen Atemtechniken direkt angewandt und zeigen sofortigen Effekt. Im Unterschied zu normalen Freedive Kursen liegt der Fokus hier auf den bekannten „kritischen“ Situationen im Surfen: Wipeouts und längeren Hold-Downs. Die Teilnehmer lernen sich mit der Nichtatmung anzufreunden und ohne zu atmen auch in kritischen Situationen ruhig zu bleiben und so manch kräftiges Set über sich passieren zu lassen – ohne Panik zu bekommen, „wieder mal zu ertrinken“.

Freedive-Training Foto Daniel Torobekov

Jedem von uns wird das Atem- und Bewusstseinstraining mit den Techniken des Apnoetauchens eine Hilfe sein. Mit steigendem Bewusstsein über die Kräfte und Stärken unseres Körpers, insbesondere unserer Atmung und ihrer steigenden Kapazität, werden Ängste abgelegt, Blockierungen gelöst und der nächste Hold-Down nach einem Wipeout deutlich entspannter ertragen. Mit regelmäßigem Atem- und Entspannungstraining, kombiniert mit ausreichend Sport und gesunder Ernährung, checken wir den nächsten größeren Swell auch ohne Bauchschmerzen und paddeln nach einem Wipeout selbstbewusst und motiviert zurück ins Line-Up, statt fix und fertig am Strand ausgespuckt zu werden.

Workshops oder Trainingcamps zum Apnoetauchen für Surfer findest du unter ApneaSurf.com.